19. JUNI  ab 17 UHR
Ingeborg Strobl
BriefKunst

Ingeborg Strobl 1949 in Schladming geboren.
Sie arbeitete konzeptionell mit den Medien Grafik, Fotografie, Aquarell und Skulptur. Von 1987 bis 1992 gehörte sie zur feministischen Künstlergruppe “Die Damen”. Neben zahlreichen, ihr so wichtigen Künstlerbüchern beeindruckte sie mit Arbeiten im öffentlichen Raum. “Mahnmal für verloren gegangenen Artenvielfalt” Kulturlandschaft Paasdorf; “ein Garten” U-Bahn Station Novaragasse Wien; “Unterwasserreich Ramsar” Forschungszentrum Schrems.
Wichtige Ausstellungen: Wiener Secession, Kunsthaus Bregenz, Wien Museum, Lentos Linz und zuletzt MUMOK Wien, dem sie auch ihren  Nachlass vermachte.  2017 in Wien gestorben

zu sehen 19. - 30. Juni

14. August ab 17 UHR
Esther Weinhold
brav und verwildert

Esther Weinholds Bilderzettelwand, eine unglaubliche Vielfalt zwischen Zeichnung und grafisch geleisteten Übergang zu Malerei, nahm uns beim letztmöglichen Akademiebesuch in München bei der Präsentation der Meisterklassen 2019, eben noch vor Corona, in Beschlag.
Anfang 2020 konnten wir uns im Schatten des Ungeheuers Pandemie nochmals im Atelier der Akademie treffen. Was es heißt, diese nun toten Orte meiden zu müssen, gräbt sich tief in unsere nicht system-relevanten Seelen ein.
Esther Weinholds Stärke liegt im Finden eines zeichnerisch-malerischen Formenkanons der Explosion und/oder Implosion in das Bild bringt. Zwischen diesen beiden Bewegungen setzt sie des Öfteren den Schwebezustand der Kraftumkehr pointiert ein. Ein Prozess wie ihn unsere Künstlerin im Austausch mit Meister Hiroshi Sugito an der GEIDA Tokyo University of Art Japan während ihres einjährigen Studienauf-enthaltes verfeinern konnte. Geradeso geht sie mit der Farbe um, die unbunt bis bunt diesem Strukturschema folgt. Ihre Bildfindungen entwickeln sich mal mehr, mal weniger vom Abstrakten zum Figürlichen und umgekehrt. Ein Spiegelbild von Geist und Körper? Besonders ihre Möglichkeit, in kleinem Format eine durchaus große Botschaft zu verpacken, schätzen wir. Welche künstlerischen Anstöße der Aufenthalt in Zöbing bewirkt, können sie beim Besuch der Ausstellung erfahren.

Esther Weinhold 1985 in Naila geboren. 2013-2020 Studium am der Münchner Akademie der Bildenden Künste bei Thomas Scheibitz und Pia Fries. 2018/19 Forschungsstipendium bei  Hiroshi Sugito GEIDAI Tokyo University of the Art Japan. 2020 Abschluss Diplom Freie Kunst.
zu sehen 14. - 24. August

4. September ab 17 UHR
Emanuel Eckl
hoffentlich klappt's

Das Bild ist ins Holz geschnitten. Das Abgebildete ist nicht das Verbliebene. Die Kraft des Schneidens, des Kerbens ist die Botschaft. Kraft kann auch in der feinsten Linie sein, im Auslaufen zur Unendlichkeit hin.
Es ist ein Vorschlag von uns, die 2018 im Christoph Dürr Verlag München verfertigten Holzdrucke Emanuel Eckls in seiner Ausstellung zum Abschluss seines Aufenthalts in Zöbing zu zeigen.
Ganz besonders ist uns die Umkehr des „Illustrationsgedanken“ in Zeitfluchten über Wortbilder und Bildwörter von Wichtigkeit. Verwandte und Freund*innen aus Emanuel Eckls Umkreis stellten den schwarz-weiß Blättern Gedichte der Weltliteratur zur Seite. Das ist dann keine Illustration, kein Erleuchten, sondern eine Metaebene im Sinne einer Synästhesie.
Ob es innerhalb eines Mediums synästhetische Erfahrung gibt, kognitive etwa, könnte im Zusammenhang mit Emanuel Eckls Bilderwelt gefragt werden. Zu seiner Ausstellung gelingt und zerbricht (Pasing 2020 - Kulturforum München West) wünscht er sich im Einladungsfolder  Diese Worte hätte ich gerne in einem Text über meine Bilder: Klarheit, Explosion, strahlend, Heftigkeit und Zartheit, andere Form, Energiestrudel, Natur, Krach, Rausch, Bewusstsein, Nichts, Licht und Farbe, Gegensatz, Zeit und Umami.  Er ist nach 2015 nochmals als Artist in Residence eingeladen. Diesmal möchte er gemeinsam mit seiner Familie die Zeit zur Erkundung unseres Umfeldes nutzen. Die Auswahl seiner Bilder wird er ganz im Sinne des vor Angedeuteten vornehmen. Vielleicht finden wir Spaß daran, im Treppenhaus spontan eine Gemeinschaftsarbeit zu erfinden.

Emanuel Eckl ist 1982 in München geboren.
Nach der Lehre zum Holzbildhauer besuchte er die Münchner Akademie der bildeten Künste.
2010 Diplom und Meisterschüler bei Professor Günther Förg.
Von 2011 bis 2015 arbeitet er als dessen Assistent (Künstlerischer Mitarbeiter) erst bei Günther Förg, dann Klassenleitung mir Matthias Dornfeld. Er lebt und arbeitet in Pasing.

zu sehen 4. - 14. September

ACHTUNG! Diese Ausstellung wird wegen der eigenen Ausstellung im MMK Passau (1.Oktober) eine Woche vorverlegt

Neuer Termin 18. statt 25. SEPTEMBER ab 17 UHR
Jules Pascin und Heinz Stangl
La Condition Humaine

Kurz vor meiner Übersiedlung von Wien nach Passau, Ende der Sechzigerjahre, zeigte die Wiener Secession eine umfangreiche Ausstellung mit Werken des französisch-amerikanischen Künstlers Jules Pascin. In unmittelbarer Nähe wurde im Atelier Theater am Naschmarkt Fernando Arrabals Nacht der Puppen (Le Grand Cérémonial)  gegeben.
Beides, Zeremonie und Obsession gleichermaßen. Der Mensch steht im Zentrum der künstlerischen Handlung. Die 68er Bewegung findet ebenda zeitgleich ihren Höhepunkt.
Der jüdische Zeichner und Maler Jules Pascin, geboren und aufgewachsen als Julius Mordecai Pincas in Bukarest, flüchtete vor einem „übermächtigen Vater“ nach Wien.  
1903 übersiedelte er dann nach München (Akademie) und beginnt sozialkritische Karikaturen in der berühmten Zeitschrift Simplicissimus zu zeichnen, der er lebenslang verbunden bleibt. Noch vor dem Ersten Weltkrieg übersiedelt er nach Paris. Er ist ein produktiver, ja manischer Künstler, der das Milieu des Montmartre treffend darstellen kann. Seine Tausenden meist weiblichen erotischen Darstellungen verstehen das Schicksal der abgebildeten Personen in den Moment des Bildes zu fassen. Zwei Frauen bestimmen den Gang seines rastlosen Lebens: Lucy Grogh und Hermine David. Mit Hermine David verbringt er Längere Jahre in Kuba und den USA, deren Staatsbürger er wird. Die Szenerien seiner Bilder greifen hier das Gesellschaftsleben auch in seiner Schicksalhaftigkeit auf. Versuche, kubistische Elemente in seinen expressionistischen Darstellungen einzubringen, sind hier ansatzweise zu erkennen. Nach Paris zurückgekehrt, nimmt er die Beziehung zu Lucy wieder auf. Nach seinem Freitod 1930 überlässt er seinen Nachlass den beiden geliebten Frauen.

Jules Pascin 1885 in Widin Bulgarien geboren, nach seinem Studium in Wien war es in Budapest, München, Berlin, dann Paris, Brüssel, London bevor er sich in den USA niederließ. Paris blieb aber der Lebensmittelpunkt. Hier starb er auch 1930.



Heinz Stangl begegneten wir erstmals, wie auch Ingeborg Strobl, Anfang der Achtzigerjahre in der Kleinen Galerie an Residenzplatz Passau, in der er dann öfter seine Bilder zeigte. Einige Leinwände erwarben wir, Briefillustrationen, Druckgrafiken und eine sehr feine Zeichnung aus seiner Mozartserie fanden als Geschenk den Weg in unsere Sammlung. Darunter auch die frühe Lithomappe „La condition humaine“ die dieser Ausstellung den Titel gibt. Seine Studienzeit an der Wiener Akademie fällt einerseits in die Blütezeit des österreichischen Surrealismus, auch als Phantastischer Realismus bezeichnet  andererseits vielschichtigen, vielleicht vom Existenzialismus ausgehenden Tendenzen.
In Heinz Stangls frühen Werken verbinden sich diese Strömungen. Seine literarischen Interessen  von Novalis bis Freud als auch die Zuneigung zu künstlerischen Einzelgängern wie Alfred Kubin lassen ihn ins innere des Seins blicken. Die Stellung der Frau ist darin von zwiespältiger Bedeutung. Aus diesem Punkt heraus verstehe ich seine im Hauptwerk geübte Gesellschaftskritik.  Die Frau rückt in den Mittelpunkt der Handlung, die Vormachtstellung des Mannes wird in den Hintergrund gedrängt. Die Handlungen sind akzentuiert, die Farbe schreit es heraus, was da nicht stimmt und futuristische Elemente betonen die Spannung der Situation. Es ist ein Hindurchgehen gefordert mit Verweilen an wundervollen Inseln abstrakter Malerei, um das Schauspiel „Mensch“ zu begreifen.
Auch er liebt die Menschen, aber besonders die Frauen wie Jules Pascin. Er weiß Männer sind nicht bevorzugt, wenn es um Abgrund und Hoffnung geht.
Ein Reisender ist er immer gewesen, in das geliebte Italien, das im künstlerischen Erfolg bescherte und hinaus in die Welt nach Ecuador und China. Der Blick in die Jahrtausende der großen Kulturen begeisterte ihn. Mit seinen Sammlungsstücken waren sie  immer bei ihm. Wir danken Barbara Stangl für die Überlassung wunderbarer Zeichnungen für diese Ausstellung.

Heinz Stangl 1942 in Wien geboren. 1961-67 Studium an der Akademie für bildende Künste Wien. Diplom für Malerei, Graphik, Konservierung und Technilogie. Er war ein Weltreisender mit großer
Aufmerksamkeit für die Kulturvielfalt. 2008 in Wien gestorben.


zu sehen 18. -28. September