Zur Ausstellung der Künstler die bei uns einen Arbeitsaufenthalt genießen entsteht jeweils eine kleine Broschur, die beim Künstler zu bekommen ist.  Aus dem Aufenthalt heraus folgten noch zwei weitere Ausstellungenteilnahmen, zum einen im Ursinhaus Langenlois
„5 Jahre  sommergaleieZöbing“ und zum anderen im Kunstverein Horn
„Künstler, Sammler, Sommergalerist“.

 

TIMUR LUKAS
Timur Lukas ist 1986 in Konstanz geboren, und lebt in Augsburg. Er studierte bei Anke Doberauer, Matthias Dornfeld und Gregor Hildebrandt in München. 2018 beendete er sein Studium mit dem Diplom.
Die Bildwelt von Anke Doberauer ist eine des modernen Menschen, samt Entourage aus Tierwelt und Öffentlichkeit. Bunt und real ins Bild gesetzt. Ihre StudentInnen bewegten sich dahinter frei und entwickelten so, offensichtlich ganz unbelastet, ihre eigenen künstlerischen Ambitionen und Ausdrucksformen. Drei Stunden sahen wir uns die unterschiedlichsten Entwürfe der Kunstvisionen junger Studierender in der Akademie an. Timur Lukas präsentierte zu diesem Anlass kraftvolle, unaufklärbare Farbkreidezeichnungen. Genau dieser Grenzbereich zwischen Gegenstand und dessen Alter Ego, der freien Gestik, begeisterte uns; aber auch das Geschick, Farbe linear zu lokalisieren. Es gibt viele Berührungspunkte in der Kunstgeschichte, die wir teilen. 2011 - 18 Einzel- und Gruppenausstellungen in München, Augsburg, Aachen, Hamburg, Brüssel, Kopenhagen, Passau und Berlin.

PIA MÜHLBAUER
Eine unzertrennliche Leidenschaft verbindet sie mit Papier. Ihrer Zuneigung zur Waldlandschaft folgend – die auch mit Papierproduktion verbunden werden könnte, obschon sie genau weiß, dass das beste Papier aus Lumpen und Hadern gefertigt wird – mietete sie, kurz nachdem sie in den Achtzigern die Münchner Akademie als Meisterschülerin bei Hans Baschang abgeschlossen hatte, ein altes Haus im Bayerischen Wald als Atelier. Eine karge und raue Gegend. Gewissermaßen ist sie dieser Landschaft treu geblieben. Sowohl im geografischen Sinn, als auch im strukturellen. Es gilt nicht zu entscheiden, ob es das kraftvolle Hochstreben der wachsenden Wälder, die Entfaltung der stillen Gewächse am Boden oder gar die Andeutung des menschlichen Körpers ist, die das Schwingen des mimetischen Abbilds im Werk entfacht. Vielmehr erstehen die Linien und Flächen aus der Verbindung des Mächtigen und des Zarten. Einfach schwarzweiß, die Struktur des Papiers aufnehmend, die Kreide mager und fett ansetzend, die Linien des Ingrespapiers als Volumen nutzend, Form zu bilden, die Zeichnung aus sich entwickeln lassen: das ist ihre Sache. Stipendien führten sie für längere und intensive Studien nach Wien, Norwegen, Finnland und Irland. Sie erzählte uns, dass aufgrund des Klimaunterschieds die Entwicklung gleicher Arten in unseren Breiten anders vor sich geht als im Norden. Die bei rascher Betrachtung scheinbare Gleichheit der da und dort entstandenen Zeichnungen differenziert sich für den leidenschaftlichen Kunstliebhaber unter diesem Aspekt. Sie ist natürlich auch Malerin. Mit bunt gedämpfter Palette führt Sie uns in eine Art Gegenwelt zur Zeichnung. Pia Mühlbauer wurde mit dem Stipendium der Villa Concordia (Bamberg), den Preis der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und dem Staatlichen Förderungspreis für junge Künstler des Freistaates Bayern ausgezeichnet. Sie ist u. a. in den Sammlungen Würth und Morat vertreten. Wichtige Galerien wie Heike Curtze und Van der Loo nahmen sich ihrer Kunst an. Pia Mühlbauer wohnt und arbeitet heute in Arnschwang, Oberpfalz. Neben den zahlreichen Ausstellungen seien nur die letzten im Jahr 2018 genannt: Kubin Haus, Zwickledt; Reiffenstuel Haus, Pfarrkirchen.

EMANUEL ECKL
Emanuel Eckl, geboren 1982, studierte nach seiner Ausbildung zum Holzbildhauer an der Akademie der bildenden Künste München. Bei Günther Förg war er Meisterschüler, hat sein Diplom gemacht und war dann sein Assistent. Eine der letzten Ausstellungen „Das Großformatige – Neue Bilder“ in der Galerie Dürr München, dazu erschien auch ein Buch „Zeitfluchten über Wortbilder und Bildwörtern“ mit 18 Originalholzdrucken.

....da kommt doch Freude auf...   „...als ich merkte, dass ich nicht allzu bald in der Fondation Beyeler ausstellen würde, baute ich aus der Erinnerung ein Modell des Raums mit den Seerosenbildern von Monet; den Raum, der die großen bodentiefen Fenster zum Teich hin hat. In dieses Modell stellte ich kleine Skulpturen von mir. Zu der Zeit malte ich postkartengroße Landschaften auf Holzplatten. Die habe ich dann auch dazu gehängt. Aus den winzigen Bildern wurden plötzlich riesige Schinken...“   Diese „fiktiven Ausstellungen“ beschränken sich nicht nur auf Modelle, sondern wuchern als Zeichnungen in den zahlreichen Skizzenbüchern, die als ständige Ideensammlungen für Bilder und Skulpturen dienen. Emanuels Eckls Werk entpuppt sich als eine Sammlung bildnerischer Aphorismen. Er bewegt sich geschickt in verschiedenen Genres, die leicht bei der Hand erscheinen, zugleich aber gedankenvoll in Beziehung zu Trash, Neodada, Fluxus und Arte povera stehen.   Seine Ausstellungen bis jetzt nennt er „Schöne Scheiße“, „Parzival“, „Herrengedeck“, „Sommerloch“, „Das Volk sieht nichts.”, „Karfreitag“, „OH GOSH“, „Servus Seiler“ und „immer wieder“. Titel, die hinterfragt sein wollen.   

IRINA OJOVAN
1988 in Chisinau, Republik Moldawien geboren, besitzt neben der Staatsbürgerschaft ihrer Heimat auch die Rumäniens. Schon früh wurde ihr Talent entdeckt. Sie besuchte bereits ab dem Alter von sieben Jahren die Schule für Bildende Künste “V. Poleacov" und danach das Kunstgymnasium ”Igor Vieru” für Hochtalentierte in Chisinau. 2009 geht sie nach Turin und beginnt hier ihr Kunststudium, das sie in Rom fortsetzt und 2013 abschließt.
Zu ihrer Überraschung, wie sie sagt, wurde sie 2012 von Günther Förg † in dessen Meisterklasse an der Münchener Akademie aufgenommen. Nach einem Zwischenspiel von Matthias Dornfeld hat sie bei Gregor Hildebrandt, dem Nachfolger von Günther Förg hat sie ihr Studium 2018 mit dem Diplom abgeschlossen. In München konnte sich ihre Arbeit in der offenen, sehr freien Atmosphäre ihren Vorstellungen entsprechend entfalten. Die konservativ klassische Ausbildung in Rom hingegen war von der Landschaftsmalerei geprägt, die sie durchaus mit Virtuosität beherrscht.
Zitat von Matthias Dornfeld aus dem Katalog zur Ausstellung 2015 in der Galleria LOMAGNO: Irina Ojovan sagt, sie will keinen Geschichten erzählen, sondern die grenzenlose Sprache der Farben und Formen zelebrieren.... wie schön.! Ihr Anliegen ist die Farbe, nicht minder kommt die Form zum Tragen.
In ihrem Münchner Akademieatelier, das sie mit aus aller Welt kommenden Kommilitonen teilt, schuf sie einen neutrale Ecke. Nichts bringt sie von ihren Überlegungen ab. Im Raum draußen tobt das Expressive. Sie legte uns beim Besuch kleinformatige, auch mal etwas größere Leinwände vor, zu unserem Erstaunen auch einige perfekte Siebdrucke in Einserauflage!, allesamt eine stille Welt in orthogonalen Feldern oder Streifen, den Farbgewichten nach harmonisch abgestimmt. Feine Texturen und Feldüberlagerungen lassen uns die Bilder schwebend schauen. Zarte Bleistiftlinien in geometrischem Vokabular oder monochrome Versatzstücke slawischer Ornamentik geleiten uns ins Reale. Es ist eine besondere Ruhe und Ordnung die dem Bild ein aus der Zeit Kommendes und in die Zeit Gehendes mitgeben. Die besondere Vermittlung von Empfindsamkeit, die sie mit ihren Bildern erreicht, erinnert mich an den großen Giorgio Morandi.
Nicht die jeweiligen Gegenstände (Elemente) sind das Bild, vielmehr ihre innere Beziehung bildet es.
In den Arbeiten von 2012 klingen noch Landschaften durch, die im Bildaufbau formal angelehnt an Malereien von Günther Förg gelöst werden. Dabei entwickelt sie schon eine eigenständiger Farbskala und den Einsatz Raum gebender Strukturen. In den folgenden Studienjahren entwickelte sie bald ihre unverkennbare Bildsprache. Konkrete Anklänge bringt sie musikalisch-lyrisch ins Schweben. Ohne Zögern verwendet sie heimatliche, ornamentale Versatzstücke als Ruhepunkte im Bild. Sie sind so sparsam und klug gesetzt, dass vielleicht Adolf Loos seinen Gefallen daran gefunden hätte.
Derzeit hat sie ein Stipendium im Künstlerhaus Bethanien, Berlin. 

PHILIPP STÄHLE
ist ziemlich neugierig, so scheint es uns.
Er ist auch findig.
Das Vertraute ordnet er neu.
Er postuliert das Ding nicht zur Kunst.
Vielmehr es findet sich in seiner Kunst.
Er ist Arrangeur, der neue Beziehungen schafft.
Könnte das Ding sprechen, würde es seine
Verwunderung zum Ausdruck bringen.
Er liebt Schach, Theater und Musik.
Er schreibt Texte.
Die Dinge hören, spielen, lesen mit.
Einen Flaschentragerl schult er zum Druckstock um.
Der Konkreten Kunst baut er ein Eigenheim.
Vita
*1982 in München; 2010 Diplom Design/FH Augsburg; seit 2010 Studium der Malerei ADBK München;
Prof. Günther Förg, Prof. Mathias Dornfeld; Prof. Gregor Hildebrandt (Meisterschüler); 2017 Diplom und Ausstellung an der ADBK München; 9. ARTWARD 2017 Atelierstipendium in Brüssel; Philipp Stähle (*1982) erhält den artist-in-residence Aufenthalt in Brüssel.
Der Künstler verweist mit seinen verwendeten Motiven, wie Schachbretter, Häuschen, Farbkeilen auf die
Grundstrukturen des Bildes. Das Schachbrett zeigt sich auf der einen Seite als konkrete, formale Struktur und zugleich sind das Kalkül und die Berechnung, die solch ein Schachspiel ausmachen, im Bild implizit; gemalt auf einen diffusen Grund ohne eine bestimmte Definition des Bildraumes.
2016 KARL & FABER Preis/München; GENIE&HANDWERK/Bikini/Berlin; 2947/Kunstmuseum Humboldt-Schloss/Hettstedt; PITTURA DUE PIU UNO/Galerie Knust+Kunz/München; 2015 KAMMERSPIEL/Raum 49/München; GROUPSHOW MOABIT/Turmstrasse/Berlin; Sommerakademie mit Bernhard Martin/Salzburg
Klasse Förg/Dornfeld/M. Jahn/München; 2014 Klasse Förg/Galerie Christoph Dürr/München; 2012; NICHTS IST ABER BLEIB mit Günther Förg, Cordonhaus/Cham; Künstler plakativ unterwegs PLAKATIV II- IV; 2013-2015 Ausstellungen in Berlin, Salzburg und Worpswede.

MARK KILLIAN
Zur ersten Begegnung mit den in verschiedenen Stadien befindlichen Werken im Atelier* Mark Killians fällt uns nun nachträglich der Begriff der Metamorphose als äußerst zutreffend ein. Ein Magazin für junge Literatur erscheint unter der Bezeichnung metamorphosen** und lobte kürzlich mit Das Prinzip der sparsamsten Erklär-ung den "Superpreis für Literatur" aus. Eine treffende Parallele zum Anliegen Mark Killians. Zur Vorbereitung der Ausstellung verweist er auf den Suprematismus, der im Licht digitaler Medien neu gedacht werden kann. Die Verwandlung ist ein prozessualer Vorgang, der schrittweise das Ausgangsmaterial (beispielsweise ein Foto, ein Schriftelement ...) verwandelt oder in neuen Zusammenhang stellt. Mit technischer Raffinesse entstehen zarte, unaufgeregte, aber einnehmende Bilder. Die Erinnerung an den berühmten Flügelschlag eines Schmetterlings in der Chaostheorie stellt sich bei tiefgehender Betrachtung ein.
Mit Betondschungel und clouds richtete die arrivierte Walter Storms Galerie (München) dem jungen Künstler zwei sehr beachtete Personalen aus.

* in der Münchner Akademie

 **Verbrecher Verlag mit Münchner Literaturmagazin

2013 - 2016 Studium bei Prof. Jean-Marc Bustamante an der Akademie der Bildenden Künste München, seit 2016 Studium bei Prof. Florian Pumhösl ebenda.
2017 GEZEICHNET, Kunstverein Rosenheim, Rosenheim, DE; CLOUDS, Walter Storms Galerie, München, DE (Einzelausstellung); ECHO + RAPPORT, Verein für Originalradierung, München, DE; KUNST AKTUELL 2017, Städtische Galerie Rosenheim, Rosenheim, DE; REAGENS, Lothringer 13 Halle, München, DE; FINIR EN BEAUTÉ, Galerie der Künstler BBK, München, DE; THESE ARE MY ENEMIES, super+ Centercourt, München, DE
2016 TRESPASS, Raum 49, München, DE (Einzelausstellung); JUNGE KUNST, Künstlerhaus Marktoberdorf, Marktoberdorf, DE
2015 CONCRETE JUNGLE, Walter Storms Galerie, München, DE
2014 HOMAGE TO GÜNTHER FÖRG, Les Abattoires, Toulouse, FR

SANDRA ZECH
1989 in Dachau geboren, studiert seit 2014 an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Gregor Schneider und seit 2017 bei Prof. Florian Pumhösl.
Ausstellungen in München und Umland, Lissabon und New York. Residenciens in Lissabon, Tel Aviv und New York.
In den Texten, Zeichnungen und konstruktiven Plastiken geht es Sandra Zech um das Gegeneinanderantreten von Kontrolle und Nichtkontrolle. Das klare Ziehen von Grenzen und Linien ermöglicht es, diese Range zu erforschen. Die Zeichnung bedingt die Plastik, bedingt wiederum die Zeichnung. Sie benutzt für ihre Plastiken überwiegend vorgefertigte Materialien als räumliches Regelwerk für einen plausiblen Raum. Dadurch schafft sie sich ein eigenes Raster von innerer poetischer Ordnung, das sich bildmorphologisch mit dem russischen Konstruktivismus auseinandersetzt. Sandra Zech plante, während ihres Aufenthalts in der sommergalerieZöbing ihre Zeichnungen in Objekte zu transformieren.

Weite, Distanz und Handlungsraum
wird vor allem erst durch eine sich
abschließende Begrenzung in
Entfernung erkennbar.